Samstag, 27. Oktober 2012

Indien-Reise 2012, Teil 1: Ankunft Kochi

Wie ihr ja wisst, war ich diesen Sommer 3 Wochen in Süd-Indien, in Kerala und Karnataka um genau zu sein. Anlass war die Hochzeit einer Freundin und mit einer Gruppe von Uni-Freunden haben wir uns ein bisschen Zeit gennommen, um ein wenig zu Reisen. Dabei kam eine interessante Mischung an Erfahrungen zusammen: von Touri-Führungen bis zu Einblicken ins indische Familien-Leben haben wir viel mehr Eindrücke gesammelt, als ich je hier im Blog sammeln könnte. Auch die Bilder, die ich hier hochladen werde, spiegeln nur einen Bruchteil dessen, was wir gesehen und erlebt haben, wieder. Wie immer werden Bilder durch Draufklicken größer :) Stichwörter sind fett markiert.

Meine Damen und Herren, bitte machen Sie es sich bequem und bereisen Sie mit mir den farbenfrohen, chaotischen und interessanten Subkontinent Indien, ganz bequem von Ihrem Sessel aus. Schließen sie bitte Ihren Gurt (sofern sie an Ihrem Sessel einen besitzen) und bleiben Sie auch bei etwaigen Turbulenzen (oder halsbrecherischen Autofahrten) ganz ruhig sitzen - ich garantiere Ihnen, dass Sie wohlbehalten wieder zuhause ankommen werden. Genießen Sie die Reise!

Samstag, 18.- Dienstag, 21.08.2012
Nach einer turbulenten Arbeitswoche schließe ich meinen Koffer und setze mich ins Taxi, dass mich zur Cardiff Central Station bringt. Mit etwas Verspätung komme ich am Flughafen Gatwick an und treffe dort Clem. Gemeinsam geben wir unser Gepäck auf und steigen in den Flieger der Emirates Airline ein. Beim Anblick der ersten Klasse klappt uns erst mal die Kinnlade runter aber schnell sind wir damit beschäftigt über uns gegeseitig über usner Leben als Doktoranten in Großbritannien, gemeinsame Freunde und vor allem über die bevorstehenden 3 Wochen zu unterhalten. Beide ziehmlich müde, schlafen wir irgendwo im zweiten Film (diese Auswahl!) ein und wachen erst kurz vor Ende der 7 Stunden und damit schon fast in Dubai auf. Da es schon mitten in der Nacht ist, können wir leider nichts von Dubai selber erkennen. Eine Odysee durch den Flughafen (dort gibt es statt Lindt-Schoki-Osterhasen, Kamele aus Kamelmilch, in Goldpapier eingewickelt!) später, treffen wir auf den zweiten Teil der Gruppe, der aus Paris bzw. Frankfurt abflog. Gemeinsam fliegen wir also nach Kochi in Kerala. Inzwischen ist es schon früher Morgen und wir schlafen die meiste Zeit. Der Anflug war ziehmlich atemberaubend: Nachdem wir durch die dicke Wolkenschicht gebrochen sind, fliegen wir direkt auf einen Dschungel aus Kokos-Palmen zu!

Wir nehmen uns ein Taxi, dass uns ins Hotel bringt und damit beginnt das Abenteuer Indien so richtig. Autofahren in Indien lässt selbst den Silverstar im Europ-Park aussehen, wie eine Fahrt in eienr Bummelbahn. Verkehrsregelen scheint es nicht zu geben, die Verständigung über Vorfahrt erfolgt ausschließlich per Hupe. Auf zweispurigen Straßen fahren mindestens drei Autos nebeneinander. Dazwischen zischen Scotter und unzählige Rikschas. Es ist unglaubelich, wie viele Leute auf einen einzigen Scooter passen: 5köpfige Familien plus Monatseinkäufe sind keine Seltenheit. Ich blicke die ganze Zeit angestrengt nach vorne, um nicht in hysterisches Kichern auszubrechen.
Nach einiger Suchen kommen wir im Hotel an, laden unser Gepäck ab und machen uns auf die Erkundung von Fort Kochi, dem alten Teil dieser alten Kolonialstadt, die vor allem durch kleine Gassen, niedrige Häuser und Touristen geprägt sind. Wir laufen entlang der Strandes und sehen die alten chinesischen Fischernetze, die über 300 Jahre alt und immer noch in Betrieb sind. Vom Fisch, der uns für wenige Rupees angeboten wird (halbgar, dank der Sonne...) sehen wir allerdings ab. So ziehmlich jeder Laden ist auf Touristen ausgerichtet und verlauft billige, un-indische Kleidung, indische Schals (echt Kashmir oder auch nicht) und Gewürze. Nur Postkarten sind so gut wie nicht zu finden. Auf dem Rückweg kommen wir an einigen Moscheen (eine hören wir auch jeden Morgen, wenn zum Gebet aufgerufen wird). Es ist schwülwarm und wir sind schnell müde und durchgeschwitzt. Dass wir nur kaltes Wasser haben ist uns nur recht.


Wir haben viele freilaufende Ziegen gesehen, in Kochi. Kaum Kühe.

 Und hunderte Räder, die hier als Retro durchgehen würden!



 Neu vor alt.


 Chinesische Fischernetze.

Am nächsten Tag laufen wir ins jüdische Viertel durch einige weniger touristische Straßen. Wir verstehen natürlich kein Wort Malayalam und lassen einfach das Chaos auf uns einwirken. Dort besichtigen wir die Synagoge und lernen gleich eine wichtige Lektion über Indien: nur weil etwas im Reiseführer als großartig angepriesen wird, heißt es nicht, dass es das auch ist. Für den Rückweg mieten wir uns eine Rikscha und "geniessen" die absolut halsbrecherische Fahrt so gut es eben zu viert auf 2 1/2 Sitzplätzen geht. Leider hat der holländsche Palast aufgrund Streiks geschloßen.




Bunt!


Für das zweite Frühstück haben wir uns ein Cafe ausgesucht, dass sich Tea Pot nennt und passenderweise auch in erste Linie mit Teekannen eingerichtet ist (siehe Kollage). Das ist allerdings auch das beste an der ganze Sache, das pseudo-eruopäische Ambiente wirkt völlig fehl am Platz. Kerala ist in erste Linie katholisch, obwohl insgesamt und 2,6% der indischen Bervölkerung Christen sind. Es gibt mehr Kirchen als wir zählen können aber nur wenige sind wirklich hübsch. Eine Ausnahme bildet Santa Cruz, die außen schneeweiß und innen knallbunt ist.


 T-Pot!

Designer-Lächeln gefällig?!




Inzwischen hatten wir schon 3 oder 4 Geldautomaten ausprobiert - erfolglos, keiner scheint gefüllt zu sein. Mit den 2 Neuankömmlingen Antoine und Aurore im Schlepptau schnappen wir uns eine Rikscha und lassen uns nach Ernakulam, den neuen Teil von Kochi fahren. Wieder einmal steigen wir erhöhtem Adrenalin-Spiegel und einen Grinsen auf dem Gesicht aus. Wir finden tatsählich einen Bankautomaten, der uns mit Rupees versogt und so können wir beruhigt ein einem besseren Restaurant essen gehen. Für den Rückweg zum Hotel beschließen wir ganz mutig den Bus zu nehmen. Dank einer sehr freundlichen Inderin steigen wir auch in den richtigen Bus ein und erleben ein weiteres Abenteuer: Der Bus ist gerammelt voll, was auch gut ist, denn so fällt bei dem Fahrstil keiner um! Vorne, über dem Fahrer, blinkt ein Christus-Bild in allen grellen Farben, die man sich vorstellen kann. Das scheint auch zu helfen, denn wir kommen durchgeschüttelt, mit ausgeleierten Armen und hysterisch kichernd aber wohlbehalten an.

2 Videos der Rikscha-Fahrt:



Ernakulam.

Busfahrt!

Am Hotel wartet auch schon der Kleinbus mit Fahrer, der uns nach Pala bringt. Wir dachten, wir hätten uns schon an den Verkehr gewöhnt, aber Nachtfahrten sind dann noch mal eine ganze andere Liga... So langsam kommen wir hinter die Hup-Regeln und stellen Thorien über diese vereinzelnten Huper, die keinen Sinn ergeben, da keiner in Hörweite ist. Dient es als eine Art Totmann-Knopf und das Auto bleibt einfach stehen, wenn nicht in regelmäßigen Abständen gehupt wird? Ist es ein Reflex des Fahrers, der das Hupen einfach nicht unterdrücken kann? Oder kommen gar gute Geiste aus dem Lenkrad und schützen die Insassen vor Unfällen? Letzteres erscheint uns als die logischste Erklärung, da wir wundersamerweise wenige Unfälle sehen.

Im Planters Homestay angekommen, warten einige andere (die die ersten Tage genutzt haben um Tamil Nadu zu besichtigen) mit dem Essen auf uns. Danach fallen wir todmüde in die Betten. Nicht ohne uns vorher mit unseren Mitbwohnern, den Schaben bekannt gemacht zu haben.

Kommentare:

  1. Das fängt ja schon mal interessant an, wir sind sehr gespannt auf die nächsten Reiseerlebnisse

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  2. Andrea, Du bist eine ganz große Erzählerin, alle Märchen werden glaubhaft und alle Fakten märchenhaft.

    Papa, weiter so!

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  3. Hey, schöön, ich hatte schon die Befürchtung, dass Dich der Alltag schon wieder so gefangen hat, dass Du keine Zeit und Lust mehr hast noch online zu erzählen ... manchmal ist man ja auch so "auserzählt".

    Ich freue mich sehr über die Berichterstattung!

    Tanya, über die Verkehrsvideos schmunzelnd - ist ja fast wie hier in Kölle :D

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  4. @Mama&Papa: Danke! :) Bald geht's weiter!

    @Tanya: Danke sehr! Lust schon aber die Inspiration ist wohl noch ne Weile in Indien geblieben ;) Und viel los war auch.
    Ohje, da werd ich wohl mal lieber nen groooooßen Bogem um Köln machen! :P

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  5. Nun hab ich's auch endlich geschafft. Und ich bin froh mir Zeit genommen zu haben, um deinen Bericht in aller Ruhe zu lesen und nicht husch zwischendurch. Vielen Dank fürs Mitnehmen! Nun freu ich mich schon auf die Fortsetzung!

    Liebe Grüße dagelassen!

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  6. Wales liegt also in Süd-Indien? Wieder etwas gelernt ;)

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