Dienstag, 6. August 2013

Indien-Reise 2012, Teil 5: Periyar Tiger Reserve

Hier geht es zu Teil 1, 2, 3 und 4.

Die ganzen 3 Wochen Indien waren aufregend, beeindruckend, interessant und ich habe (fast ;) ) jede Sekunde genoßen. Der Aufenthalt im Periyar Tiger Reserve war jedoch mein Lieblingsteil. Gefolgt von der Bootsfahrt in den Backwaters, die aber erst im übernächsten Teil drankommt.
Leider waren die Akkus meines Fotoapparates am zweiten Tag leer und mein Ersatzakku nicht aufgeladen (vermutlich aufgrund einer der Stromausfälle, die es immer mal wieder gab) und so habe ich keine Bilder von der kleinen Wanderung, die wir unternommen haben. Ich hoffe, ich kann mir welche von anderen aus der Gruppe "leihen" und sie hier nachtragen.

Sonntag, 26.08.2013:
Wieder stehen wir früh auf, denn heute geht es in das etwa 3 Stunden entfernte Reservat Periyar. Darauf hatte ich mich ja schon die ganze Zeit gefreut! Uns ist klar, dass wir vermutlich keine Tiger sehen werden (es gibt noch etwa 50 Stück im Reservat) aber ich freue mich auf Berge, Natur und Tiere. Die Straße wird schnell ziehmlich schnell und unser Kleinbus muss ganz schön ackern uns auf 1700m Höhe zu bringen. Wir machen einen kleinen Zwischenstopp an einem Wasserfall (gemeinsam mit etwa 20 anderen Autos) und können dort feststellen, wie viel kühler es hier oben doch ist - sehr angenehm.

Wasserfall, die erste...
... die zweite...

... und die dritte.

In Periyar angekommen nimmt uns der Hotelbesitzer mit zu einer kleiner Kirche zu dessen Gemeinde er gehört. Am gleichen Tag fand dort ein Gemeindefest statt und es gibt noch einiges an Essen, das wir wenig später vor uns stehen haben. Es ist sauscharf aber sehr lecker! Einer der Töpfe, in denen gekocht wurde, steht noch im Hof und wir fragen uns, ob wir da nicht alle reinpassen... Später schauen wir uns noch in der Kirche um und bedanken uns mit einer kleinen Spende die dem Erhalt des Gebäudes zukommt.

Kochtopf oder Badewanne?
Kirche von innen.
Und von außen.
Am Nachmittag gehen wir zu eine Elephanten-"Farm" um dort eine Runde auf dem Rücken einer der Grauen zu drehen. Es mutet sehr nach Ponyreiten an: Einmal ums Karree, ein paar eingübte Posen und Fotos um die Touristen zu belustigen bevor die nächste Dreiergruppe drauf darf. So öde das auch ist, die Elephanten scheinen alle gut behandelt zu werden und das ist schliesslich mehr als man von vielen Ponyreit-Ponies sagen kann.

Ob sie unseren Regenschirm lustig fand?
Interessante Hörner
Abends gehen wir zu einer Katakali-Vorstellung. Dieser traditioneller Tanz zeichnet sich durch aufwendige Kostüme und Schminke aus und ist nur in Kerala zu finden. Wiederum ist es nur auf Touristen abgeziehlt aber das hatten wir erwartet und lassen uns überraschen. Wir schauen gebannt zu wie einer der Schauspieler Lage für Lage zuerst in eine Art Unterrock und dann in einen Oberrock gewickelt wird. Es gibt ein kurze Einführung bevor das Spektakel losgeht. Der Anfang ist ungewohnt aber bald scheinen die Gesten (gesungen wird nicht) nur noch aus herausspringenden Augäpfeln (mehrere Minuten ohne zu blinken!!!) und Schreien zu bestehen... Wir wissen nicht so ganz was wir davon halten sollten. Danach gehen wir zum Abendessen in ein kleines Restaurant, dass auch "westliche" Gerichte anbietet und ich stürze mich mit Begeisterung auf die schlechtesten und langweiligsten Spaghetti Bolognese, die ich je in meinem Leben gegessen habe. Aber langweilig war genau was unsere Geschmacksknospen brauchten.

Katakali-Tänzer beim Schminken,..
... Anziehen...
... und beim Tanzen.
 
Sonntag, 27.08.2012
Mal wieder stehen wir im Morgengrauen auf. Nach einem Mini-Frühstück aus Keksen, die wir am Vortag noch gekauft hatten, geht es runter an den See um eine Bootstour zu unternehmen. Die meisten Tiere (und wegen denen sind wir ja gekommen) sind längst schon wieder in den Bäumen verschwunden. Wir sehen einige Vögel, Warzenschweine (Pumba!) und eine Art Hirsch. Tiger lassen sich keine blicken  ;)

Ein Reiher.

Pumba und Familie ;) Ob Timon auch dabei ist?


Ein ähhh schwarzer Vogel.
Blick auf einen der Berge.
 


 


Terasse des Hotels.
Zurück im Hotel gibt es ein zweites Frühstück bevor es wieder zu einer Wanderung geht. Wir werden mit Gamschen ausgerüstet, die wir über die Socken in die Schuhe anziehen und über den Hosen fest zuschnüren um uns gegen Kleinstlebewesen zu schützen. Los geht es, zuerst auf einem breiten Forstweg aber bald auf kleinen Trampelpfaden bergauf immer den Elephantenhaufenspuren nach. Wir sehen einen Adler und einen Kingfisher, nach dem auch die bekannsteste indische Biermarke benannt ist. Der Weg wird immer steiler und felsiger und ich staune, wie Elephanten da hochkommen. Bald fängt es auch noch an zu regnen und einige von uns haben spätestens da die Nase voll. Ohne anständige Schuhe und regenfeste Kleidung macht es auch keinen Spaß. Ach, wie bin ich froh, dass mich das walische Wetter und die hiesigen Hügel gelehrt haben immer für Mistwetter und schwierige Wege ausgerüstet zu sein :) Auf dem Gipfel angekommen, haben wir einen tollen Ausblick auf die umliegenen Berge und den Jungle. Ich muss immer wieder ans Junglebuch denken und erwarte beinahe die Elephantenparade vorbeimaschieren zu sehen. Der Rückweg stellt sich als sehr rutschig heraus und wieder bin ich beeindruckt, wie Elephanten da nicht nur hoch sondern auch wieder runter kommen! Wir nehmen merhfach unser Hinterteil zu Hilfe. Wir sehen ein paar Affen in den Bäumen und Blutegel im Gras und ahnen schon warum wir die Gamaschen tragen. Unsere Vermutungen bestätigen sich als wir diese ausziehen und Blutegel aus den Schuhen pflücken und vebrennen... Zurück im Hotel finden wir noch einige der Mistviecher an uns und ertränken sie in Salz, dass uns der Hotelbesitzer eigens dafür zur Verfügung gestellt hat. Wie ich auf den Balkon gehe, der vor den Hotelzimmer entlangläuft, um meine extra für den Urlaub gekaufte, bunt gepunktete Regenjacke reinholen will ist diese weg. Der Hotelbesitzer hatte uns gewarnt, nichts unbeaufsichtigt liegen zu lassen, um die Affen nicht zu ermutigen! Ich kann mehrere von ihnen in den Bäumen hören auch wenn ich sie nicht sehen kann. Die Vorstellung, dass nun einer von ihnen mit einer schicken Regenjacke ausgestattet von Ast zu Ast schwingt bringt mich so sehr zum Lachen, dass über den Verlust nicht sehr traurig bin. (Die Alternative wäre natürlich, dass der Wind sie weggeweht hat aber das wäre ja langweilig ;) )

Den Nachmittag verbringen wir mit Dösen und einem kleinen Spaziergang bevor es für Aurore, Christiane und mich zu einer Kochstunde in die Küche geht. Der Hotelbesitzer und seine Frau zeigen uns wie die Gerichte zubereitet werden und notiere fleissig die Schritte. Es gibt Chicken Curry, Maniok und fritierten Blumenkohl. Es schmeckt wunderbar und während wir alle kräftig zulangen erzählt uns der Hotelbesitzer aus seinem Leben und wie er sich von Milchjunge über Kuhhirte (dem von Tigern einige Tiere gerissen wurden) zum Hotelbesitzer hochgearbeitet hat. Abends fallen wir totmüde in die Betten.

Montag, 28.08.2012
Am nächsten Tag wache ich früh auf, setze mich auf den Balkon und höre den Vögeln und Affen zu. Nach dem Frühstück halten wir an einem Gewürzladen an, die angesichts einer Kleinbusladung europäischer Touristen ganz aus dem Häuschen geraten. Wir kaufen soviele Gewürze ein, wie in unser Gepäck passt und machen uns auf den Rückweg nach Pala. Die Berge sind mal wieder atemberaubend und wir machen einen Zwischenstop an einem Aussichtspunkt mit besonders atemberaubender Aussicht und steilen Klippen. Diese Klippen erklären leider auch den Namen Suicide Point und den Zaun.
Zurück im Homestay lernen zwei weitere Hocheitsgäste kennen, ein Schulfreund von Julie und seine Freundin, beide leben in München, sind unheimlich nett und fügen sich ohne Probleme in unsere Truppe ein. Am späten Nachmittag kommt die Schneiderin mit den fertigen Blusen für unsere Saris und Set Mundus. Wir probieren sie an und so langsam steigt die Spannung in Erwartung der Hochzeit. Abends falle ich müde aber glücklich ins Bett. Wie gesagt, dieser Ausflug ins Reservat insbesondere die Wanderung war einer der Höhepunkte der Reise.

Kommentare:

  1. Herrlich! Ich hab' schallend lachen müssen, an den Stellen mit der faden Bolognese und dem modisch gekleideten Affen. :D

    Den Gewürzladen hätte ich wahnsinnig gerne mit dir besucht! Ich glaube, da bekäme man mich nur unter Anwendung von Gewalt wieder raus.

    Hast du schon zu Hause nachgekocht, was du dort in der Kochstunde gelernt hast?

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  2. Genau!! Die Vorstellung, daß sich da ein Affe mit der Regenjacker meiner Tochtr durch den Dschungel schwingt - köstlich! Schade, dass du es nicht in natura gesehen hast.
    Es bleib spannend, und die Abstände der Berichte werden jetzt auch kürzer. Sehr schön!!

    Mama

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  3. So, endlich komme ich mal dazu, wenn auch kurz, zu schreiben, wie sehr ich mich freue, dass Du Zeit findest weiter zu erzählen. Ich habe voller Spannung und Freude Deine Erlebnisse im Reservat verschlungen und freue mich schon auf den nächsten Teil!

    Tanya, applaudierend, faszinierend lesend

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